Twirling-Sport ist eine Tanzsportart, bei der man ein Zusatzgerät, den Baton ( Twirlingstab ), zu einer Musik mit tänzerischen und gymnastischen Übungen in Bewegung hält. Geschicklichkeit mit dem Baton und tänzerische bzw. gymnastische Fähigkeiten stehen hierbei im Mittelpunkt. Der Baton besteht aus einem 12 mm dicken Metallstab mit zwei Gummikappen. Er sollte immer der Armlänge des/r Sportlers/in entsprechen. Früher tanzte man den
Twirling-Sport in Uniformen zur Marschmusik, heute jedoch auch zu moderner Musik. Nicht nur an nationalen und internationalen Meisterschaften wird teilgenommen, sondern auch im Showtanzbereich auf öffentlichen Veranstaltungen. Die Musik der einstudierten Choreographie wird von den Twirlern und deren Trainer sorgfältig ausgesucht. Sie ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil. Durch die vielen Musikrichtungen existiert eine Vielzahl an Möglichkeiten sich in den Twirlingtänzen auszudrücken. Alle Arten von tänzerischen Bewegungsformen, welche mit dem Baton kombiniert werden, werden in den Choreographien getanzt. Die jüngsten Sportler fangen bereits in dem Alter von drei Jahren mit Twirling an. Körperliche Fitness, Selbstbewusstsein und die Muskulatur werden durch diesen Sport trainiert und gefördert. Twirling-Sport kann man sowohl als Leistungssport, doch auch als Freizeitsport betreiben.
Twirling kommt ursprünglich aus der USA. Doch seit ungefähr 25 Jahren wird diese Sportart auch in Europa betrieben. Der Deutsche Twirling-Sport Verband ist Teil des Deutschen Tanzsportverbandes, welcher Mitglied des Tanzsport-Weltverbandes International Dance Sport Federation (IDSF) ist, der 1921 gegründet wurde und in Frankfurt am Main seinen Sitz hat.
Da Deutschland in Sachen Twirling ein Entwicklungsland ist, sind keine deutschsprachigen Lehrbücher vorhanden. Nur Frankreich und Amerika haben über den Twirling-Sport Fachbücher herausgegeben.
Die Geschichte
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden Bands, die im Marschschritt von einem Trommler, der den Takt vorgab, angeführt wurden. Diese Bands nannte man Marching-Bands, welche vorerst ausschließlich aus Männern bestand. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts gab es weibliche Taktgeber bzw.
so genannte Tambourmajors. Erst 1929 kamen erste Drehungen eines weiblichen Tambourmajors. In dieser Zeit wurden die ersten Fabriken zur Herstellung von Batons, die bis zur dieser Zeit aus Holzstäben eher gebastelt wurden, gebaut. Ab 1930 wurden im Amerikanischen Bücher herausgegeben, in denen erklärt wurde welche Figuren man mit dem Stab drehen kann. Der Wandel vollzog sich gegen 1940, wo statt vorwiegend männlichen Stabdrehern dies fast nur noch weibliche Personen ausübten. Hier erst begann die Tendenz dieser Sportart in zwei Richtungen zu laufen. Zu einem
· die Majoretten, die mit einer Sportkapelle marschierten und dann
· die Twirler, die zur rhythmischen Sportgymnastik den Stab drehten und
· die Twirling-Majoretten, die beide Richtungen kombinierten.
Der erste Fachverband dieser Sportarten wurde 1945 in Amerika gegründet. Andere fachbezogene Verbände folgten zu einem späteren Zeitpunkt weltweit. 1974 wurde der deutsche Twirling-Sport-Verband gegründet, welcher 1980 sich dem Deutschen Tanzsportverband angliederte.
Twirlingrichtungen
Auf den Meisterschaften werden Vorführungen mit einem, zwei oder mehreren Batons getanzt. Mit einem Twirlingstab kann man die vielfältigsten Figuren zeigen. Zum Beispiel :
Die Grundfiguren
· Horizontale
· Vertikale
mit den daraus entstehenden Rad- und Frontalfiguren
· Fingerserien
· Schleuderfiguren
darauf aufbauend die vorwärts- und rückwärts Richtungen, mit und ohne Körperdrehungen
Zweifach-Baton
Bei dem zweifach-Baton hält sowohl die rechte, als auch die linke einen Twirlingstab. Die Tänzerin dreht mit beiden Stäben nicht nur dieselben Figuren, sondern auch in jeder Hand unterschiedliche, welches eine gute Koordination beider Seiten erfordert. Bei der Disziplin Mehrbaton , dem so genannten Hight Level, kann eine Solistin bis zu 3 Batons nehmen, wovon immer einer in der Luft wirbelt. Beim Duo sind zwei Tänzer/innen, die sich gegenseitig den Twirlingstab zuwerfen und die Figuren parallel durchführen. Die internationalen Wertungsrichtungen ( Solo, Duo Team, Freestyle, Dance und Modern Dance ) müssen auf den Meisterschaften vertanzt werden. Weitere Möglichkeiten sind das Tanzen mit dem Leuchtstab und dem Feuerstab. Bei dem Leuchtstab sind an beiden Enden des Batons ( Ball und Tipp ) florisierende Kartuschen aufgeschraubt, die, nachdem sie geknickt worden sind, durch den Mix beider Flüssigkeiten im Dunkeln leuchten. Bei diesen Choreographien aus Licht, werden meist einfachere Figuren gedreht mit wenigeren Personen aufgestellt, damit der Effekt im Dunkeln zur Geltung kommt . Wie zum Beispiel :
· Flourish
· Horizontal
· Rad,
Bei dem Feuerstab trägt die Tänzerin zur Sicherheit oft nur einen Anzug aus Baumwolle, da dieser nicht so leicht entflammen kann. Denn an beiden Enden dieses Batons sind Petroleum getränkte Fackeln, die kurz vor der Vorführung entzündet werden. Sowohl der Leuchtstab, als auch der Feuerstab, sind reine Tänze mit Show-Effekten.
Sportgymnastik Twirling
Der Twirling-Sport ist ein Ganzkörpertraining, der sich aus Gymnastik und Tanz zusammensetzt. Elemente aus der rhythmischen Sportgymnastik und dem Bodenturnen, so wie aus Jazz Tanz, Hip Hop, Ballett und Gesellschaftstanz, beinhalten diesen Sport.
Wie in allen Tanzsportarten kommt es hierbei sehr auf die Körperspannung an, durch die erst der Ausdruck und die Eleganz dieser Sportart zu Stande kommt. Da der Baton ständig mit der Hand drehend bewegt wird, wird beidhändig eine große Fingerfertigkeit und Beweglichkeit aufgebaut. Das Handgelenk ist durch die andauernd kreisende Bewegung mit dem Baton stark beansprucht. Daher ist ein intensives Aufwärmtraining erforderlich, damit es zu keiner Sehnenscheidenentzündung kommt. Da der Arm den Baton vom Körper fern hält, um die Figuren ausüben zu können, ist die Schultermuskulatur ständig in Spannung. Durch die Haltung ist somit auch die gesamte Rückenmuskulatur gefordert. Durch die tänzerischen Bewegungen wird sowohl die Beinmuskulatur, als auch die Fußmuskulatur belastet. Weil die Konzentration sowohl auf die tänzerische Bewegung, als auch auf den Twirlingstab ausgerichtet ist und der Kopf oft dem Twirlingstab nachschaut, wird der Gleichgewichtssinn stark trainiert. Auch die Koordination beider Körperhälften wird bei einer Mehrfachbaton-Übung trainiert. Daher ist es sehr wichtig, wie bei allen Sportarten, dass ein Streching-Programm aller Muskulaturen durchgeführt wird. Ansonsten ist die Gefahr durch die ständige Anspannung sehr groß sich Muskelzerrungen oder Entzündungen zu holen. Aber nicht nur diese Verletzungen können sich Twirler zuziehen. Auch blaue Flecken sind bei den ersten Übungen der Figuren inbegriffen bis der Stab oder die Figur korrekt durchgeführt wird. Ein Baton kann auch zu Verletzungen des Gesichts bei Schleuder-Übungen führen. Ein blaues Auge und in seltenen Fällen ein Nasenbeinbruch, können hier die Folgen sein.
Meisterschaften
Auf internationaler Ebene sind die Weltmeisterschaften, die 2006 in Rom stattfanden, wie bei allen Sportrichtungen die höchste Disziplin. Führend im Twirling sind unter anderem die Nationen Kanada, Japan und Amerika, wo Twirling auch als Schulsport angeboten wird. Die Europameisterschaft, die 2007 in den Niederlanden stattfindet, ist ein weiterer internationaler Wettbewerb. Hier sind die Nationen Frankreich, Italien und die Beneluxländer führend. Durch die Osterweiterung Europas ist die Anzahl auf 15 Länder gestiegen. Kroatien, Slowenien und Ungarn sind dazu gekommen. Eine weitere internationale Meisterschaft ist der Cup of Club, der 2008 in Deutschland stattfindet. Im nationalen Bereich wird bei uns die Deutsche und die Süddeutsche Meisterschaft ausgetragen. Obwohl der Twirling-Sport seit 1974 in Deutschland bekannt ist, ist Deutschland in dieser Sportart sehr entwicklungsbedürftig, denn im Norden von Deutschland ist dieser Sport kaum bekannt. Die Leistungszentren um die Sportrichtung Twirling sind Herxheim, Wetzlar und Langenselbold. Hier finden überwiegend die Lehrgänge, bei denen man seine Grad-Prüfung ablegen kann, statt. Die erste Grad-Prüfung, die „1a-Grad“ genannt wird, beinhaltet eine Choreographie mit den einfachsten Figuren des Twirlings. Darauf folgen weitere Prüfungen, wie der 1., 2., 3. und 4. Grad, der die höchste Qualifikation hat.
Fazit
Wie schon erwähnt setzt sich der Twirling-Tanzsport auch aus verschiedenen Tanzrichtungen zusammen. Die Vielfältigkeit dieser Sportart wäre eine gute Alternative schon in sehr frühen Jahren sämtliche Muskeln des Körpers zu trainieren. Da Tanzen auch eine Bewegungstherapie und somit Träumen mit den Füßen ist, bringt es durch die Musik und den Rhythmus den Körper in Einklang. Aus diesem Grunde ist diese Sportart auch für den Schulsport bestens geeignet.